Zum Hauptinhalt springen
Bosch in der Schweiz

Let's talk about Diversity!

Let's talk about Diversity: Yvonne Ongetta

Yvonne Ongetta startete 2001 bei Bosch in Brasilien. Von dort wechselte sie 2005 zur Power Tools Accessories nach Solothurn, wo sie seitdem verschiedene Rollen in den Bereichen Business Development, strategischer Einkauf und Marketing innehatte. Momentan ist Yvonne Head of Product Area “Linear Edge” weltweit.

Einzigartigkeit

Vielen Dank, Yvonne, dass du uns in unserer Diversity Corner besuchst, um mit uns über Vielfalt zu sprechen. In unserem heutigen Interview möchten wir einen Blick auf das Konzept der Einzigartigkeit und seine Bedeutung für das Diversity Management werfen.

Ich freue mich sehr, hier zu sein und zu dieser Vielfaltinitiative beitragen zu können.

Welchen Herausforderungen stehst du als Managerin eines globalen Teams gegenüber, wenn es darum geht, eine solche Vielfalt von Menschen zu leiten?

Wie du schon sagst: Mein Team ist sehr vielfältig, was Nationalitäten, Alter, Persönlichkeiten, Hintergrund usw. angeht. Und je bunter das Team ist, desto anspruchsvoller wird es, weil es mehr unterschiedliche Lebensweisen und Bedürfnisse gibt. Wenn alle so wären wie ich, wäre es einfacher – aber eben auch nicht so interessant! (Sie lacht.)

Als Leiterin eines vielfältigen Teams, muss ich mich stärker bemühen, die einzelnen Teammitglieder zu verstehen und unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. Diese Herausforderung lässt mich wachsen und erweitert mein Blickfeld.

Wie gehst du in deinem vielfältigen Team mit dem Thema Einzigartigkeit um? Mit Einzigartigkeit meinen wir den Wunsch, sich ein ausgeprägtes Selbstverständnis zu bewahren.

Zunächst einmal geht es darum, Interesse an den Teammitgliedern aufzubringen, die Besonderheiten und individuellen Bedürfnisse jedes Einzelnen zu identifizieren und ihre Prioritäten im Arbeits- und Privatleben zu verstehen.

Ein guter Ausgangspunkt für den Dialog wäre, dem Mitarbeiter oder der Mitarbeiterin etwas aus dem eigenen Privatleben zu erzählen und ein paar Fragen zur privaten Situation zu stellen. Je mehr man über eine Person erfährt, desto mehr Empathie und Wertschätzung ihrer Einzigartigkeit entwickeln sich. Dazu braucht es ein Umfeld der Offenheit und des Vertrauens, sodass die Teammitglieder ihre Wünsche in Bezug auf Einzigartigkeit ungehindert äussern.

Wie findest du individuelle Lösungen, wenn du die Einzigartigkeit der Teammitglieder erkannt hast?

Durch Offenheit und den Willen zum Wandel. Als Führungskraft hängt man manchmal in eigenen Erfahrungen fest. Dann besteht die Gefahr, dass man die aktuelle Situation mit früheren Situationen und den damaligen Lösungen vergleicht. Doch es ist wichtig zu verstehen, dass das, was wir in den letzten Jahrzehnten über das Arbeitsleben gelernt haben, heute vielleicht nicht mehr stimmt.

Als mein Sohn noch ein Baby war, arbeitete ich Brasilien, und damals war eine Verkürzung meiner Arbeitszeit keine Option. Trotzdem verstehe ich den Wunsch nach Flexibilität und versuche, mein Team in dieser Hinsicht zu unterstützen.

Die neue Generation setzt andere Prioritäten, und dafür braucht es Flexibilität und Anpassung. Das müssen wir als Chance verstehen, um unser aktuelles und zukünftiges Arbeitsumfeld neu zu formen. Wir brauchen dafür Offenheit und Flexibilität auf beiden Seiten. Es gibt keinen festen Weg, sondern wir müssen Dinge ausprobieren, beobachten und, wenn nötig, nachbessern.

Ich will nicht verschweigen, dass der Wunsch nach Einzigartigkeit nicht in jedem Fall erfüllt werden kann. Es gibt geschäftliche Notwendigkeiten, und manchmal müssen Kompromisse geschlossen werden, aber ich finde es wichtig, immer einen Schritt in Richtung des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin zu machen.

Nur durch die Wertschätzung von Einzigartigkeit bekommen wir alle unter einen Hut.
Yvonne Ongetta

Welche Rolle spielt die private Lebenssituation der jeweiligen Person für den Umgang mit Einzigartigkeit?

Die private Lebenssituation hat einen enormen Einfluss auf unser Verhalten bei der Arbeit. Wir müssen besondere, bedeutende Situationen der Menschen berücksichtigen, zum Beispiel wenn sie in ein neues Land gezogen sind, sich scheiden lassen oder einen Verlust in der Familie zu beklagen haben. Nach meiner Erfahrung werden sogar Burn-outs oft durch die Kombination aus einer aufreibenden Lage bei der Arbeit und Schwierigkeiten im Privatleben verursacht. Mit anderen Worten: Wir können mehr Stress vertragen, wenn es im Privatleben wenig Stress gibt, und umgekehrt. Wenn wir die persönliche Situation unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kennen, können wir uns leichter anpassen, um sie zu unterstützen.

Es ist wundervoll, wenn Menschen von ihren Familien und ihrem Privatleben erzählen und so eine Bindung zum Team aufbauen, anstatt nur gemeinsam zu arbeiten.

Warum ist es wichtig, die Einzigartigkeit der Teammitglieder wertzuschätzen?

Die Wertschätzung von Einzigartigkeit ist ein zentraler Punkt. Alle Bemühungen, Menschen aus unterrepräsentierten Gruppen zu gewinnen und weiterzubilden, um die Teams vielfältiger zu machen, garantieren nicht, dass die Fähigkeiten dieser Menschen voll eingesetzt werden oder dass ihre Stimmen und Perspektiven vollständig wahrgenommen werden. Wir müssen ihre Einzigartigkeit wertschätzen, um zu verstehen, wie sie denken und wie sie zum Team und zum Unternehmen beitragen und sich gleichzeitig darin geborgen fühlen können.

So sind die Bedürfnisse von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen mit kleinen Kindern grundlegend anders als die von Menschen, die kurz vor der Pensionierung stehen, oder von denen, die einen Grossteil ihrer Freizeit mit Hobbys verbringen. Während sie alle zu unserem Erfolg beitragen und ein Teil des Teams sind, können ihre persönlichen Bedürfnisse völlig unterschiedlich sein.

Nur durch die Wertschätzung von Einzigartigkeit bekommen wir alle unter einen Hut.

Inwiefern hat sich die Herausforderung von Einzigartigkeit während der Pandemie intensiviert?

Die Pandemie hat uns Führungskräfte dazu gezwungen, näher an die einzelnen Teammitgliedern heranzutreten und ihren Umständen grössere Beachtung zu schenken. Besonders während der Schulschliessung waren Eltern auf noch flexiblere Arbeitszeiten angewiesen. Ein konkretes Beispiel: Ein Vater musste seine Kinder beim Homeschooling und bei den Hausaufgaben unterstützen, weshalb er darum bat, mehr am frühen Morgen und in den Abendstunden arbeiten zu dürfen. Ausserdem mussten wir uns verstärkt um die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kümmern, deren Familien unter COVID-19 litten oder die allein lebten und von Isolation und Einsamkeit betroffen waren.

Hier muss man beachten, dass die Work-Life-Balance deutlich wichtiger geworden ist. Wenn wir Talente anziehen und der Abgang von Arbeitskräften vermeiden möchten, müssen wir uns diesen Anforderungen stellen. Während der Pandemie mussten wir von zu Hause aus arbeiten. Meine wichtigste Erkenntnis dabei war, dass wir viele Aufgaben effektiv und erfolgreich vom Homeoffice aus erledigen können. Selbst kreative Prozesse und Workshops sind schwierig, aber nicht unmöglich, wenn man zu Hause arbeitet.

Ich habe die zusätzliche Zeit mit meiner Familie während der Pandemie definitiv genossen. Mein Sohn ist jetzt 18 Jahre alt, und für mich war die Pandemie eine grossartige Gelegenheit, um ihm noch etwas näher zu sein, bevor er auf die Universität geht.

Ich möchte vermeiden, dass die Menschen zwischen Arbeit und Privatleben wählen müssen. Ich will einen Weg finden, beides unter einen Hut zubekommen und sowohl im Privat- als auch im Arbeitsleben erfolgreich zu sein.

Was würdest du Führungskräften empfehlen, wenn es um Einzigartigkeit geht?

Ich würde sie ermutigen, neuen Arbeitsweisen eine Chance zu geben, neue Lösungen auszuprobieren und bei einem Misserfolg bereit zu sein, sich anzupassen. Wann immer wir etwas Neues ausprobieren, besteht die Gefahr, dass es nicht klappt, denn es gibt keine perfekte Lösung. Aber wir müssen es immer wieder versuchen.

Am Ende besteht das Ziel darin, dass sich jeder Einzelne als Teil des Teams fühlt, dass jeder zur Gruppe gehört und gleichzeitig das Gefühl von Individualität und Einzigartigkeit behält.

Vielen Dank, Yvonne, für dieses offene und inspirierende Interview. Du hast uns gezeigt, wie man Einzigartigkeit wertschätzt, indem man vierfältige Leistungen fördert und jeder einzelnen Person dabei hilft, ihren vollen Beitrag zu leisten, um ein hohes Mass an Chancengerechtigkeit und Inklusion zu erreichen.

Der Diversity Corner in Solothurn wurde am 9. November 2020 eingeweiht. Die Mitarbeitenden sind herzlich willkommen, sich vertieft mit dem Thema Diversität und Inklusion auseinanderzusetzen. Der Diversity Corner soll auch als Treffpunkt für eine Reihe von Interviews unter dem Motto «Let’s talk about Diversity» dienen.

Der Diversity Corner soll auch als Treffpunkt für eine Reihe von Interviews unter dem Motto «Let’s talk about Diversity» dienen.

Interessiert, mehr über die Aktivitäten von #BoschideSchwiiz zu erfahren? Folge uns auf unseren Social Media Kanälen:

Linkedin Bosch Switzerland

Xing Bosch Schweiz

Twitter Bosch in der Schweiz

Teile diese Seite auf